|
„Der Kuss einer Muse”
Ikonenmaler
Zeitung: G³os Szczeciñski 15-16.05 1999
Er
ist in Bierzanowice - damals Vorort von Krakow, heute schon Stadtviertel -
geboren. Es fehlte nicht viel und es wäre überhaupt nicht zur Geburt
gekommen.
Seine Mutter hatte schon vorher eine Geburtsstelle vorbereitet und zwar in
einem Unterstand. Zufälligerweise hat sie sich aber dann in einem Bauernhaus
in der Nähe wieder gefunden. Und das hat ihr Leben und das ihres Kindes
gerettet, da dieser “sichere“ Unterstand bombardiert und fast völlig
zerstört wurde.
Unter diesen Umständen, im Sternzeichen des Schützen war Tadeusz Zielinski
geboren. Er glaubt, schon bei der Geburt hat ihm eine Muse einen Kuss
gegeben. Die Kraft von diesem Kuss spürt er seitdem das ganze Leben hindurch
.......
Es denkt sogar, angenommen man glaube an Reinkarnation – in seinem früheren
Leben hätte er ebenso mit Kunst zu tun gehabt oder zumindest mit dem
Kunstgewerbe, das übrigens z.B. im Mittelalter hoch geschätzt war. Die
Techniken von alten Meister zu benutzen, kommt mir ohne Mühe ...-
kommentiert er, und gotische Schrift zu verwenden ist für mich von Natur aus
leicht, obwohl ich es niemals gelernt habe.
Nach dem chinesischen Horoskop ist er ein Affe. Und diese Tatsache, wie er
behauptet, beeinflusst sein ganzes Leben, das Leben das als “ein
Zigeunerleben“ bezeichnet. Ich muss viele Aktivitäten beginnen, um sagen zu
können , mein Leben ist in Erfüllung gegangen. Er trat auf der Bühne auf,
spielte in Theater und Kabarett, war ein Boxer, hat Segeln sehr gern und
weiß in einem Keramikofen wahre Wunderdinge zu brennen.
Die Hauptsache ist für ihn jedoch die Malerei. Er hat schon immer gezeichnet
und gemalt. Immer schon hat er gewusst, das er gerade dies tun wollte.
Die Aufnahmeprüfung für das Kunstlyzeum hat er gegen den Wunsch seines Vater
angetreten. Der Vater, Vorkriegspolizeibeamte, glaubte nämlich, es wäre eine
Schande einen Sohn an der Kunstschule zu haben – kommentiert Tadeusz
Zielinski.
Er wohnte in verschiedenen Regionen von Polen. Nett in Erinnerung behalte er
z.B. die Zeit in Gora Slaska (Niederschlesien), wo „Walcmany-Ensamble“
entstanden ist, das später einen Erfolg an Songfestival in Opole erzielte.
Vor zwanzig Jahren hat er sein „Zuhause“ in Swinoujscie gefunden. Diese
Insel hat mich bezaubert, ihre Lage, die malerische Landschaft, die Nahe von
grossem Wasser, wo die Schiffe segeln. Ich wusste es, hier wohnen keine
einfachen Leute, sondern solche mit Charakter. Es war eine Herausforderung
für mich. Ich wohnte damals in Süden von Polen und galt als ein reicher
Mann. Ich hatte ein Haus, ein Auto, einen privaten Keramikbetrieb, eine
reiche Antiquitätensammlung. Aber das Schicksal hatte mir einen Streich
gespielt und ich ich verlor alles was ich besass im Laufe beinahe eines
Tages. Das brachte klare Assozierung mit einem Schiffbrüchigen auf einer
Insel. Mit meinem letzten Geld fuhr ich nach Swinoujscie und begann hier
mein neues Leben. Ich stand da im Angesicht von dem großen Element, dem Meer.
Ich habe es verstanden, hier war mein Bestimmungsort, obwohl später auch mal
schwere Momente kamen..
Er hat schon immer gemalt, kann sich nicht mehr erinnern, wann die erste
Ikone entstanden war. Es dürfte schon sehr lange her sein, wahrscheinlich
schon auf der Insel. Ich sah einmal eine Ikone von Gestalt des hl. Nikolaus
- er denkt zurück. Es war ein Wesen nicht von unserer Welt, fast wie aus dem
Kosmos. Ich hatte Gefühl, ich wollte etwas ähnliches malen.
Meine erste Ikone ist auf einem Torfstück entstanden. Ich kann schwer
rechnen, wie viele Ikonen ich insgesamt gemalt habe. Viele von diesen Ikonen
schmücken jetzt Kirchen im Inland und im Ausland. Mehrmals präsentierte ich
meine Ikonen in Ausstellungen in Bayern, oft je 50 Stück auf einmal.
Fur Tadeusz Zielinski ist Ikonenmalen ein eigenartiges Mysterium. Ich stelle
mich an eine Staffelei, beruhige mich innerlich und versetze mich in eine
Anbetungsstimmung - teilt er vertraulich mit. Die Orthodoxen behaupten,
Ikonen werden von Gott selbst gemalt. Oft werden sie von Mönchen zu Fasten-
und Andachtzeiten gemalt. Jede Ikone sollte erlebt und durchgebetet werden.
Solches Gefühl habe ich dabei. Generell ist das Malen fur mich eine
Besinnung. Wenn ich dann zur Abwechslung einen Kontakt mit Menschen benötige,
nehme ich einfach meine Gitarre mit und spiele darauf.
Er interessiert sich nicht nur fur Ikonen. Eigentlich kann ich alles malen.
Jeder darf Künstler werden, nur muss er es bestätigt bekommen. In
Wirklichkeit
ist der ein Künstler, der vom Verkauf seiner Werke seinen Lebensunterhalt
verdienen kann. Ich versuche es zu erreichen, aber man muss gestehen, es ist
heutzutage keine leichte Aufgabe.
„Der Kuss einer Muse“ hat einen großen Einfluss auf meine Lebensanschauungen
ausgeübt. Ich hasse Lügen und selber tue ich es auch nicht. Es ist nicht
deswegen, weil ich so edelmutig wäre, aber es ist einfach weil, ich bequem
bin.
Jede Lüge zieht unentbehrlich eine nächste nach sich und schliesslich
verwirrt sich unser Leben. Dabei mag ich nur einfache und klare Situationen.
Ich verabscheue Gemeinheit und Grobheit. Ich mag zu lieben und will selbst
geliebt zu werden. Ich glaube, dass Liebe der Anstifter aller menschlicher
Aktivitäten ist, obwohl über kleine Liebschaften schaetze ich eine richtige
Männerfreundschaft hoher. Ich will auch meinen, jeder ehrliche Mensch kommt
früher oder später zur ewigen Weisheit: „ich weiß, dass ich nichts weiß“.
Tadeusz Zielinski hält sich selbst für einen tiefgläubigen Menschen, obwohl
er keinen „Glaubenseifer“ zeigt. Es macht ihm eine große Freude, dass seine
Werke in Kirchen zu finden sind. Er hat selbst ein Projekt und dann die
Einrichtung der ökumenischen Kapelle ‚Stella Maris“ in Swinoujscie
ausgeführt.
Es träumt davon sich eine Kirche zu bauen, wo sich zusammen Malereien,
Skulpturen und Rauminstallationen befinden, sagt er. Es sollte ein
überkonfessioneller Tempel sein, wo der Abnehmer ,bei Verwendung
zahlreichiger künstlerischer Ausdrucksformen , mit gewissem Sacrum zu tun
hätte.. Das Sacrum nämlich könnte für alle Menschen unabhängig von Alter,
Geschlecht, Rasse, Herkunft und Lebensanschauung verständlich werden.
Ich träume auch davon, auf meinem Grundstuck ein Haus-Atelier zu bauen, das
ein Treffpunkt für alle wäre, nicht nur allein für angesehene Kunstler.
Werden diese Träume des Ikonenmaler in Erfüllung gehen?
HALINA
KAPANOWSKA
|